Alles Expedition oder was?
Segelreisen auf YouTube werden heute gern als Expedition angepriesen. Aber was ist denn heute noch eine Expedition?
Auf dem Unterwegs-Blog schreibe ich von den wahren Begegnungen und Ereignissen auf meiner Reise auf dem Meer.
Segelreisen auf YouTube werden heute gern als Expedition angepriesen. Aber was ist denn heute noch eine Expedition?
Am 4. Mai 2024 verliessen wir an Bord von Blue Alligator Antigua Richtung Azoren. 22 Tage später liessen wir den Anker auf der Reede von Horta fallen. Dazwischen lagen Squalls, Flauten und Begegnungen mit Walen. Aber vor allem eine wunderbare Zeit auf See.
Nach etwas über zwei Monaten in der Karibik ist es Zeit, an die Rückkehr zu denken. Aber hat sich der Trip überhaupt gelohnt?
Am 1. Februar startete Blue Alligator von den Kapverden aus zur Atlantiküberquerung. 2100 Seemeilen lagen vor uns, eine Reise ganz den Launen von Aeolus und Neptun ausgesetzt.
Bevor wir die Bijagos verliessen, segelten wir durch enge Kanäle quer durch den Archipel. Das Echolot war das wichtigste Instrument an Bord und ich musste mich ganz auf die elektronische Karte und das GPS verlassen. Ich hatte schon vorher gemerkt, dass die Navigation auf den Bijagos ihre Tücken hat.
Segeln mit einer Bestimmung: Deshalb bin ich im September 2023 mit Blue Alligator von Santa Maria Richtung Guinea-Bissau aufgebrochen. Unsere Expedition sollte dem Plastikmüll im Archipel auf den Grund zu gehen. Aber am Ende war unsere Rolle eine andere.
Am schnabelförmigen Bug des schmalen, langezogenen Bootes steht ein Mann mit feuerrotem Kopftuch, aufrecht, vorwärts blickend wie ein König oder Feldherr, der einem Ufer entgegensteuert, das er in Besitz zu nehmen beabsichtigt. Er trägt zudem ein elegantes schwarzes Hemd, das ihn von seinen Begleiter in den ausgewaschenen T-Shirts abhebt. Der Name des Mannes lautet Adelino Da Costa und er ist tatsächlich eine Art König, der ungekrönte König der Bijagós.
Als die Sonne hinter dem Dunstschleier aufging, offenbarte sie uns unseren Ankerplatz, den wir in Nacht zuvor in völliger Dunkelheit angesteuert hatten. Vielleicht eine halbe Seemeile entfernt lag eine flache Insel. Sie schien beinahe auf dem bräunlichen Wasser zu schweben und irgendwie nicht real zu sein.
Am 2. November fuhren wir von den Kapverden los Richtung Mindelo. An Bord war auch ein Virus namens Corona.
Mit der Fahrt zu den Kapverden habe ich buchstäblich meinen Horizont erweitert. Ich bin über das südlichste Ende von Europa hinausgesegelt und in einer Welt angekommen, die Darwin als „komplett steriles Land“ beschrieb. Dazwischen lagen 156 Stunden – nicht ganz sieben Tage, dafür sieben Nächte – Meer, Wind, Delphine und mitunter Schwärme fliegender Fische, die über die Wellenkämme schossen wie silberne Pfeile.